Sie verbinden virtuelle Welten mit Theologie oder machen historische Quellenarbeit spannend – mit diesen Ansätzen konnten zwei Lehrkonzepte die Jury wieder einmal überzeugen. Denn um den Einfallsreichtum der Lehrenden zu würdigen, vergibt die Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie jährlich den Lehrpreis für innovative Lehrkonzepte an zwei Lehrveranstaltungen.
Dieses Jahr werden ausgezeichnet:
- Madlen Geidel (Lehrstuhl für Medienkommunikation, Medienethik und Digitale Theologie) und Dr. Max Tretter (Lehrstuhl für Systematische Theologie II (Ethik)) für ihr gemeinsames Seminar „Experimental Expanded Reality Ethics“
- Marco Bachfeld (Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit) für seine Praxisübung „Quellen lesen und interpretieren: Einführung in die Paläographie und Quellenarbeit“
Diese Veranstaltungen haben sich durch ihre didaktische Qualität, ihren Methodeneinsatz und ihren Fokus auf die Bedürfnisse der Studierenden herausgehoben, und dieses Engagement zeichnet die Fakultät mit dem Lehrpreis aus. Der Lehrpreis wird nicht nur materiell als kleine Trophäe übergeben, sondern umfasst auch eine finanzielle Anerkennung.
Herzlichen Glückwunsch!
Vorstellung der ausgezeichneten Lehrveranstaltungen 2026:
Lehrveranstaltung „Experimental Expanded Reality Ethics“ von Madlen Geidel und Dr. Max Tretter
Virtual Reality-Brillen lassen Menschen in fremde Welten abtauchen oder die Erfahrungen anderer direkt erlebbar machen. Tragen immersive Technologien zu mehr Verständnis und Empathie bei? Und welche neuen, ethischen Fragen kommen dadurch auf?
Genau mit diesen Fragen hat sich das Seminar „Experimental Expanded Reality Ethics“ befasst. Studiendekan Prof. Dr. Giovanni Maltese: „Das Seminar hat in herausragender Wirkung gezeigt, wie es möglich ist, gesellschaftlich hochaktuelle Entwicklungen innovativ aufzugreifen, Studierende aktiv in Forschungsprozesse einzubinden und zugleich neue Formen des wissenschaftlichen Lernens und Kommunizierens zu eröffnen.“
In seiner Laudatio nennt er drei Gründe für die Auszeichnung. Zum einen die gesellschaftliche Relevanz des Themas, denn immersive Technologien gewinnen schnell an Bedeutung. Das Seminar schuf einen Raum, in dem Studierende die zentralen ethischen, epistemischen und politischen Herausforderungen dieser Entwicklungen analysieren und einordnen konnten – ein Thema, das die zukünftige Gestaltung digitaler Öffentlichkeiten maßgeblich prägen dürfte.

Ein zweiter Grund liegt in der konsequent interdisziplinären Ausrichtung des Seminars.
Die Veranstaltung entstand aus einer Kooperation zwischen der Systematischen Theologie (Max Tretter) und der Medienethik bzw. digitalen Theologie (Madlen Geidel).
Darüber hinaus wurden Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis eingebunden, die Perspektiven aus Journalismus, Filmproduktion, Technikforschung und Ethik einbrachten. Ergänzt wurde dies durch eine Exkursion zum XR-Hub der Universität Würzburg.
Und drittens überzeugte die Lehrveranstaltung mit ihrem innovativen didaktischen Konzept. Die Lehrveranstaltung war als vierstufiges, forschungsnahes Lernsetting konzipiert.
Hier wurden praktische Erfahrung, wissenschaftliche Einordnung und kritische Reflexion systematisch mit gesellschaftlichem Transfer inkrementiert.
Prof. Maltese zeigte sich besonders vom öffentlichen Charakter des Seminars begeistert: „Das Seminar mündete in ein Workshopkonzept, das die Studierenden für die Lange Nacht der Wissenschaften erarbeiteten, um die Erkenntnisse des Seminars einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Wissenschaftskommunikation wurde so zum Gegenstand konkreten Lernens.
Die Verbindung von Praxis und theoretischer Reflexion wurde von den Studierenden in den Evaluationen als besonders gewinnbringend hervorgehoben und als prägend für ihren Lernerfolg beschrieben.“
Damit erfüllt die Lehrveranstaltung Experimental Expanded Reality Ethics alle Qualitätskriterien der Leitlinien für innovative Lehre an der FAU.
Praxisübung „Quellen lesen und interpretieren: Einführung in die Paläographie und Quellenarbeit“ bei Marco Bachfeld
„Der Veranstaltungstitel ‚Quellen lesen und interpretieren‘ klingt interessant, der Zusatz ‚Einführung in die Paläographie und Quellenarbeit‘ könnte die Begeisterung hingegen gleich wieder etwas dämpfen“ – so begann Studiendekan Prof. Dr. Ludwig Fesenmeier seine Laudatio.
Doch Marco Bachfeld gelang es, Studierende an die mühsame Arbeit mit historischen Quellen heranzuführen. Obwohl dazu das Lesen und Entziffern von Kurrent-, Kanzlei- und Frakturschrift, Frühneuhochdeutsch sowie Methoden der Quellenkritik zählen – er erhielt dafür sehr positive Evaluationen. Besonders überzeugte der Ansatz, dass die Studierenden zunächst das Schreiben der Kurrentschrift selbst erlernten, damit sie die Handschrift ‚verstehen‘ und ein ‚Gefühl‘ dafür bekommen, wie sie geschrieben wird.
„Studierende, und das heißt letztlich ‚Digital Natives‘, dafür zu begeistern, sich mit im engeren Sinn historischen, handschriftlichen Quellen auseinanderzusetzen, die ihrerseits womöglich noch in so ehrfurchtgebietenden und/oder scheinbar staubigen Institutionen wie Archiven liegen, ein solches Ziel ist ehrgeizig“, sagte Prof. Fesenmeier anerkennend.

„Doch wie die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und -teilnehmer im Rahmen der Evaluation zeigen, und zwar gerade die Freitext-Antworten, die Sie, Herr Barchfeld, bescheiden als ‚ermutigend‘ bezeichnet haben, ist es ein Ziel, das man erreichen kann – ein Ziel, das man sogar vollumfänglich erreichen kann.“
So konnte auch diese Lehrveranstaltung mit ihrem Konzept und ihren Lernergebnissen die Auswahlkommission vollständig überzeugen.
Über den Lehrpreis für innovative Lehrkonzepte
Seit 2020 vergibt die Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie einen eigenen Lehrpreis, der den ‚Preis für gute Lehre‘ des Staatsministeriums und den FAU-Lehrpreis für Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen ergänzt.

Lehrende können sich mit einem Lehrveranstaltungskonzept aus den vergangenen zwei Semestern bewerben, zu dem neben dessen Beschreibung auch die relevanten Evaluationsergebnisse und eine Reflexion darüber mit einzureichen sind.
Das Preisgeld ist gestaffelt:
- 500 Euro erhalten Professoren bzw. Professorinnen,
- PostDocs sowie Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen mit voller Stelle 1.000 Euro
- wissenschaftliche Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen mit einer Teilzeitbeschäftigung 2.000 Euro.
Über die Vergabe des Preises entscheiden die Studiendekane der Fakultät. Bei Fragen hilft das Büro für Qualitätsmanagement gerne weiter.
