Navigation

Wissen – Zeitlichkeit – Kulturvergleich

Wissen - Zeitlichkeit - Kulturvergleich

Wissen

Die aktuelle Forschungsausrichtung an der PhilFak im Bereich soziokultureller und historischer Bedingungen von Wissen und Wissensformationen fokussiert auf Ansätze, die sich mit der Genese und (Re-)Produktion von impliziten und amorphen Wissensrepertoires sowie expliziten ‚Beständen‘ und Archiven (D. Taylor) beschäftigen. Der Wissensbegriff wird dabei sowohl propositional als explizites und sprachlich kodifiziertes Wissen verstanden als auch nicht-propositional im Sinne eines ‚schweigenden‘, prä-reflexiven Wissens, das in Körperpraktiken, Erfahrungswissen und Traditionen, aber auch in Gefühlsstrukturen und Affekten wirksam wird (Polanyi, Ryle, Neuweg, Shotwell). Diese multidimensionalen Konzeptualisierungen von Wissen distanzieren sich in kritischer Weise von einem primär kognitiven Wissensbegriff, der u.a. auch in eurozentrischen (Wissenschafts-)Diskursen vorherrscht, und ermöglichen so auch nicht-europäische Konzepte von Wissen in den Blick zu nehmen, die kulturell divergente Raum- und Zeitkonzepte beinhalten.

Zeitlichkeit

Innerhalb der verschiedenen Forschungsstränge der PhilFak der FAU wird Zeitlichkeit als eine grundlegende, wenn auch meist implizit bleibende Dimension soziokultureller Ordnungen und Prozesse analysiert. Dabei wird unter anderem untersucht, wie „Zeit“ in unterschiedlichen sozialen, kulturellen, politischen und historischen Konstellationen begriffen und wahrgenommen wird, wie mediale und narrative Repräsentationen die individuellen und kollektiven Praktiken reflektieren und zugleich präfigurieren (d.h. auch das Erleben von „Zeit“ steuern) und zudem, wie sich solche (hegemonialen) Zeitregime verändern, z.B. unter den Bedingungen der spätkapitalistischen Globalisierung bzw. welche Beharrungskräfte hier wirken (Rosa, Welzer). Es geht dabei um die Untersuchung von narrativen oder memorialen Erzähl- und Gedächtnisstrukturen, die Vergangenes bewahren, tradieren oder reiterieren helfen und schließlich um topografische Modellierungen einer Zukunft, die in prognostischen oder prophetischen Verfahren Strategien der Kontingenzbewältigung im Sinne einer Bewahrung bzw. Modifikation symbolischer und sozialer Ordnungen entwerfen sollen. „Zeit“ wird darüber hinaus jedoch auch als präsentisches Moment einer herausgehobenen Erfahrung oder eines lebensweltlichen sowie auch eines vorreflexiven Daseins verstanden und damit unter einem stärker subjektiven Index analysiert.

Kulturvergleich

Symbolische und soziale Ordnungen sind, ebenso wie der gesamte Komplex der Wissensproduktion, in hohem Maße kulturspezifisch, und ihre Analyse bedarf daher eines kulturvergleichenden Ansatzes, der die Erkenntnisse der kulturhermeneutischen Forschung rezipiert und berücksichtigt. Es gilt daher, den jeweiligen Verstehenshorizont der untersuchten Phänomene zu rekonstruieren und mit den eigenkulturellen Prämissen zu vergleichen, um vorschnelle Universalisierungen zu vermeiden. In einem zweiten Schritt wird dann in den Blick genommen, was in einem weiten Sinne als transkulturell betrachtet werden kann. Diese Interkulturalitätsproblematik ist hierbei nicht auf die Verhältnisse zwischen tradierten Kulturen und Kulturräumen beschränkt, sondern auch in vermeintlich binnenkulturellen Verhältnissen, wie etwa zwischen verschiedenen funktional differenzierten Ordnungsbereichen oder in der Gruppeninteraktion pluraler und multikultureller Gesellschaften, virulent. Die Fokussierung auf Interkulturalität bedarf auch der ergänzenden Analyse von quer zu kulturellen Grenzsetzungen verlaufenden Prozessen; darunter fallen die verschiedenen Formen der Transkulturation, Hybridisierung und kulturellen Mobilität (von Menschen und Wissen) einerseits und die Frage nach transnationalen Vernetzungen und transnationalen Öffentlichkeiten andererseits, die jenseits etablierter In- und Exklusionsmechanismen operieren.

Projekte:

In 20th century, China has transformed itself from an agrarian state to one that is dominated by worship of science and technology, relentlessly pursuing the establishment of a scientific society. In his 2007 work, Wilson Keeley maintains that China is on the road to becoming the next scientific powerhouse, being more innovative and progressive than the current leading nations, may it be Europe or the United States. This fundamental change can be explained by the constantly rising investments…

Mehr Informationen

In frequently uncanny ways, ageing, illness, death, dying, and mourning have been and continue to be both constant companions and threatening future `others´ we have little knowledge of (Eagleton 2003). A growing awareness of death scares people anytime and anywhere, and it intercepts culturally specific convictions supporting individual and collective everyday lives, in particular notions of able-bodied `normal´ life and progress. In modern Western societies, the void of meaning created…

Mehr Informationen

Following a broader ‘turn to affect’ (Patricia Clough) in the humanities and the social sciences, this project seeks to investigate public feeling – as articulation, representation, and cultural and institutional practice – and the various functions it has in every-day life, in political communication, in allegedly private realms as well as in constructions of “intimate public spheres” (Lauren Berlant). We are interested in the changing cultural specificities…

Mehr Informationen

Das Projekt untersucht die Bedeutung von Authentizität bei der Schaffung und Verbreitung historischer Erinnerungen im sinophonen Raum. Im Fokus steht die durch die Pluralisierung der historiographischen Akteure in den letzten drei Dekaden tiefgreifend veränderte Bedeutung von Vergangenheit in China, Hongkong und Taiwan. Besonders in der Kultur- und Kreativwirtschaft sind durch digitale Technologien, populäre Medien und die Kommerzialisierung kulturelle Produkte geschaffen worden, die die Vergangenheit al…

Mehr Informationen

Die Debatte um Präsenz - verstanden als zeitliche und räumliche Gegenwart und Unmittelbarkeit - findet im internationalen Forschungskontext bisher auf die europäische Ideengeschichte beschränkt und dort ins-besondere auf ästhetische Diskurse fokussiert statt. Demgegenüber untersucht das Graduiertenkolleg „Prä-senz und implizites Wissen" in kulturvergleichender Perspektive kulturell divergente Formen der Diskursivie-rung von Präsenz in verschiedenen…

Mehr Informationen

Die Akademie für Schultheater und performative Bildung wurde im Mai 2009 an der FAU ins Leben gerufen. Organisatorisch ist sie am Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Kultur, ästhetische Bildung und Erziehung beheimatet und wird von der FAU, der Stadt Nürnberg sowie dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst getragen. Zu den zentralen Aufgabenbeerichen der Akademiearbeit zählt insbesondere die Professionalisierung…

Mehr Informationen

In Zusammenarbeit mit Sun Jiang (Shizuoka University of Art and Culture, Japan) und Chen Yunqian (Nanjing University, China) erfolgt aktuell die Übersetzung von zentralen Schriften zu Gedächtniskultur und lieux de mémoire in Chinesische, mit Texten von u.a. Pierre Nora, Jan und Aleida Assmann, Thomas Nipperdey und Etienne Francois. Im September 2013 erfolgte ein einmonatiger Forschungsaufenthalt am Institute of Advanced Studies (Nanjing University) zur Überarbeitung der bereits…

Mehr Informationen

Buchprojekt des Forschungsschwerpunkts "Wissen - Zeitlichkeit - Kulturvergleich"

Mehr Informationen

Der Wunsch, in die Zukunft blicken zu können, ist eine Konstante im individuellen und kollektiven Leben des Menschen. Jahrtausende lang hat man sich der Deutung von scheinbar ‚natürlichen‘ oder aber ‚künstlich geschaffenen‘ Zeichen bedient, um der Unsicherheit über die Ereignisse, die uns erwarten, Herr zu werden. Doch auch wenn Formen der Hellseherei lange sehr bedeutsam waren, so ist für Europa seit der Mitte des 17. Jahrhunderts der Prozess eines sukzessiven Bedeutungs- und vor allem Legitimationsverlustes von Divination als anerkannter Form der ‚Wissensproduktion‘ auszumachen.

Sinnfälliger Ausdruck dieser Distanznahme ist der Umstand, dass divinatorische Objekte ihrer Anwendung enthoben und als Gegenstände musealen Sammelns in vollkommen neue Sinnzusammenhänge eingebettet wurden. Diese Geschichte musealen Sammelns und (Um)Deutens divinatorischer Objekte steht im Mittelpunkt des Projekts.

Bearbeitet wird das Thema in zwei, chronologisch aufeinander aufbauenden Teilprojekten. Im frühneuzeitlichen Teilprojekt stehen höfischen Sammlungen in der Zeit vom 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert im Mittelpunkt. Charakteristisch für diesen Sammlungstyp ist, dass einschlägige Objekte bereits in der Blütezeit divinatorischer Praxis systematisch zusammengetragen wurden. Mit dem Bedeutungsverlust der Hellseherei wurden sie aber gerade nicht ausgesondert, vielmehr blieben sie Teil der repräsentativen Schauseite höfischer Kunstkammern. Die Sammlungen bieten damit die Chance, jenseits der oft polemisierend zugespitzten Debatten der ‚Aufklärer‘, für die spätere Frühe Neuzeit Übergangsphänomene im Umgang mit der Hellseherei und Abstufung in der Bewertung ihrer einstigen Bedeutung in den Blick zu bekommen und so eine bestehende Forschungslücke zu schließen.

Im chronologischen Anschluss an das frühneuzeitliche Teilprojekt untersucht das zweite Teilprojekt vom Standort des Germanischen Nationalmuseums aus die Anfänge des Sammelns divinatorischer Schrift- und Sachquellen in musealen Institutionen, insbesondere des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Im Fokus stehen hier die Fragen, welche aversive oder affirmative kuratoriale Haltung in der Frühzeit des modernen Museumswesens den – wissenschaftstheoretisch mit dem Kampfbegriff „Aberglaube“ abqualifizierten – Zeugnissen historischer Prognostik entgegengebracht wurde, wie sich dies im Sammlungsaufbau und in den Sammlungspräsentationen niederschlug und welche Reaktionen des Publikums sich ausmachen lassen.

In einem epochenübergreifenden Zugriff verspricht das Vorhaben damit Aufschluss über die Frage, welchen Beitrag fürstliche und bürgerliche Sammlungen zur Historisierung und zugleich zur nachhaltigen Abwertung divinatorischer Praktiken als lächerlich und unseriös geleistet haben.

 

Mehr Informationen

Seit der Aufklärung gelten in Europa Formen der Magie, der Hellseherei oder Divination als Kuriosum, als im Grunde lächerlich, irreal und unseriös. Dieses Diktum wirkt sich bis heute auch auf die Fragestellungen der Forschung aus: Denn obwohl die gesellschaftlich übergreifende Bedeutung von Magie und Divination gerade für das 16. und frühe 17. Jahrhundert in der Forschung unumstritten ist, wurde bislang noch nicht nach der Relevanz von Wahrsagerei und Magie als Strategien…

Mehr Informationen

Publikationen: