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Forschung

Wissen – Zeitlichkeit – Kulturvergleich

 

Forschungskontext und Forschungsfeld

Die Philosophische Fakultät (PhilFak) der FAU Erlangen-Nürnberg ist in den Bereichen Sozial-, Kultur- und Geisteswissenschaft hervorragend ausgewiesen und stellt für interdisziplinäre Verbundforschung eine breitgefächerte Expertise bereit, die bereits in verschiedenen Forschungsformaten zum Tragen gekommen ist. Im Zentrum der diversen Projekte und Veranstaltungen sowie den daraus hervorgegangenen Publikationen standen und stehen Wissen und Wissensproduktion sowohl in zeitlicher (diachroner/synchroner) als auch in räumlicher (regionaler/globaler) Aspektierung. Besondere Kulturraumexpertise besteht für Asien, Europa, Indien, Naher Osten, Nord- und Südamerika. Das interdisziplinäre Forschungsdesign führt über intensive Theorie- und Methodendiskussionen der beteiligten Wissenschaftler_innen und Disziplinen zu fachübergreifenden Zugängen zu den Forschungsgegenständen und damit auch zu Synergieeffekten.

Zentrale Begriffe

Wissen

Die aktuelle Forschungsausrichtung an der PhilFak im Bereich soziokultureller und historischer Bedingungen von Wissen und Wissensformationen fokussiert auf Ansätze, die sich mit der Genese und (Re-)Produktion von impliziten und amorphen Wissensrepertoires sowie expliziten ‚Beständen‘ und Archiven (D. Taylor) beschäftigen. Der Wissensbegriff wird dabei sowohl propositional als explizites und sprachlich kodifiziertes Wissen verstanden als auch nicht-propositional im Sinne eines ‚schweigenden‘, prä-reflexiven Wissens, das in Körperpraktiken, Erfahrungswissen und Traditionen, aber auch in Gefühlsstrukturen und Affekten wirksam wird (Polanyi, Ryle, Neuweg, Shotwell). Diese multidimensionalen Konzeptualisierungen von Wissen distanzieren sich in kritischer Weise von einem primär kognitiven Wissensbegriff, der u.a. auch in eurozentrischen (Wissenschafts-)Diskursen vorherrscht, und ermöglichen so auch nicht-europäische Konzepte von Wissen in den Blick zu nehmen, die kulturell divergente Raum- und Zeitkonzepte beinhalten.

Zeitlichkeit

Innerhalb der verschiedenen Forschungsstränge der PhilFak der FAU wird Zeitlichkeit als eine grundlegende, wenn auch meist implizit bleibende Dimension soziokultureller Ordnungen und Prozesse analysiert. Dabei wird unter anderem untersucht, wie „Zeit“ in unterschiedlichen sozialen, kulturellen, politischen und historischen Konstellationen begriffen und wahrgenommen wird, wie mediale und narrative Repräsentationen die individuellen und kollektiven Praktiken reflektieren und zugleich präfigurieren (d.h. auch das Erleben von „Zeit“ steuern) und zudem, wie sich solche (hegemonialen) Zeitregime verändern, z.B. unter den Bedingungen der spätkapitalistischen Globalisierung bzw. welche Beharrungskräfte hier wirken (Rosa, Welzer). Es geht dabei um die Untersuchung von narrativen oder memorialen Erzähl- und Gedächtnisstrukturen, die Vergangenes bewahren, tradieren oder reiterieren helfen und schließlich um topografische Modellierungen einer Zukunft, die in prognostischen oder prophetischen Verfahren Strategien der Kontingenzbewältigung im Sinne einer Bewahrung bzw. Modifikation symbolischer und sozialer Ordnungen entwerfen sollen. „Zeit“ wird darüber hinaus jedoch auch als präsentisches Moment einer herausgehobenen Erfahrung oder eines lebensweltlichen sowie auch eines vorreflexiven Daseins verstanden und damit unter einem stärker subjektiven Index analysiert.

Kulturvergleich

Symbolische und soziale Ordnungen sind, ebenso wie der gesamte Komplex der Wissensproduktion, in hohem Maße kulturspezifisch, und ihre Analyse bedarf daher eines kulturvergleichenden Ansatzes, der die Erkenntnisse der kulturhermeneutischen Forschung rezipiert und berücksichtigt. Es gilt daher, den jeweiligen Verstehenshorizont der untersuchten Phänomene zu rekonstruieren und mit den eigenkulturellen Prämissen zu vergleichen, um vorschnelle Universalisierungen zu vermeiden. In einem zweiten Schritt wird dann in den Blick genommen, was in einem weiten Sinne als transkulturell betrachtet werden kann. Diese Interkulturalitätsproblematik ist hierbei nicht auf die Verhältnisse zwischen tradierten Kulturen und Kulturräumen beschränkt, sondern auch in vermeintlich binnenkulturellen Verhältnissen, wie etwa zwischen verschiedenen funktional differenzierten Ordnungsbereichen oder in der Gruppeninteraktion pluraler und multikultureller Gesellschaften, virulent. Die Fokussierung auf Interkulturalität bedarf auch der ergänzenden Analyse von quer zu kulturellen Grenzsetzungen verlaufenden Prozessen; darunter fallen die verschiedenen Formen der Transkulturation, Hybridisierung und kulturellen Mobilität (von Menschen und Wissen) einerseits und die Frage nach transnationalen Vernetzungen und transnationalen Öffentlichkeiten andererseits, die jenseits etablierter In- und Exklusionsmechanismen operieren.