Forschung

Blick über den Tellerrand

Das Forschungsprofil der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie erstreckt sich über acht Forschungsschwerpunkte unter dem Dach „Kultur – Sprache – Gesellschaft“.

In der Fakultät werden kulturelle und linguistische Prozesse generell als verankert in unterschiedlich definierten Gemeinschaften, Gesellschaften und Regionen auf der nationalen, subnationalen und transnationalen Ebene betrachtet. Der zentrale Fokus auf Sprache, Kultur und Gesellschaft wird im Hinblick auf historische, zeitgenössische und erwartete zukünftige Konstellationen bearbeitet.

Europäische Kultur hat ihren Ursprung im Mittelmeerraum und den östlich angrenzenden Regionen. Das Studium der Alten Welt, erschlossen über archäologische Relikte und überlieferte Texte, findet – der historischen Dynamik folgend – seine Fortsetzung im Studium des von antiker Überlieferung, vom Christentum und durch ost-westlichen wie west-östlichen Kulturtransfer bestimmten europäischen Mittelalters.

Für die Geschichtsschreibung der Neuzeit und der Gegenwart ist eine Vervielfältigung der Perspektiven charakteristisch, indem mit dem Zeitalter der Entdeckungen und der Kolonisation der Blick zunächst von Europa aus in andere Weltregionen gerichtet wird und indem mit dem Prozess der Globalisierung der wechselweise Einfluss und die Verflechtung der Weltgegenden in den Blick rückt. In der Literatur- und Ideengeschichte wiederholt sich in speziellerem Kontext dieselbe Bewegung; sie führt von den antiken Wurzeln europäischer Kultur über deren mittelalterliche Verarbeitung und über die Verbreitung als Elemente des Kolonialisierungsprozesses bis zur Konfrontation und Interaktion mit außereuropäischen Literaturen und Ideen und deren Rückspiegelung im Zeichen der Globalisierung.

Texte verschiedenster Zeiten in verschiedensten Sprachen und aus verschiedensten Kulturen und Regionen sind das bei weitem wichtigste Material fast aller in der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie beheimateten Disziplinen. Texte müssen erschlossen werden. Dazu bedient sich die Fakultät verschiedener Formen der Sprachforschung und ganz besonders einer wissenschaftlich fundierten Editionspraxis.

Das Aufkommen der neuen elektronischen Medien mit ihren neuen Verbreitungs- und Kommunikationsmöglichkeiten hat das Bewusstsein geschärft, dass Medien nicht nur Relikte und Zeugnisse des Kulturprozesses, sondern auch Faktoren sind, die den weltweiten Kulturprozess in allen Regionen aktiv beeinflussen.

Kulturen manifestieren sich immer und überall als überindividuelle gesellschaftliche und politische Strukturen. Gesellschaftsanalyse ist daher ein Zentralstück jeder Analyse des Kulturprozesses und geht über Fragestellungen des diachronen und synchronen Vergleichs unmittelbar ein in den Kulturvergleich unter regionalen wie globalen Aspekten.

Die überindividuelle Perspektive der Gesellschaftsanalyse schließt die Perspektive der Individuen mit ein. Der Wechsel der Perspektive bedingt Fragen wie die folgenden:
Welche Rolle spielt das Wechselverhältnis von Individuum und Gesellschaft im Kulturprozess?
Wie spiegeln und verändern sich gesellschaftliche Strukturen im individuellen Lebenslauf?
In welchem Verhältnis stehen Prozesse der Sozialisation zur Statik wie zur Dynamik von gesellschaftlichen Strukturen?
Welche Bildungsformen und Bildungschancen liegen im Wechselspiel von Individuum und Gesellschaft bzw. müssen entwickelt und eröffnet werden?

Betreffen Fragestellungen aus Bildung, Sozialisation und Lebenslauf vornehmlich interpersonale Beziehungen, so haben psychologische Fragestellungen charakteristischerweise intrapersonale Reflexions- und Verarbeitungsmechanismen zum Gegenstand, mit denen das Individuum mit seinen Dispositionen und seinen Umwelteinflüssen betrachtet wird. Erlebnisformen, Denkweisen und emotionale Modalitäten sind je nach Zeit, Ort und kulturellem Umfeld verschieden und sind wiederum als Faktoren der nach Zeit und Region verschiedenen Kulturprozesse zu betrachten.

Der Begriff der Region, der einen auf Sprache und Kultur bezogenen integrierenden Fokus darstellt, ermöglicht es der Forschung, Spezifika -sowohl in diachroner wie synchroner Perspektive- unter politisch-historischen, literaturwissenschaftlichen, ideengeschichtlichen, sprachwissenschaftlichen, medienwissenschaftlichen, soziologischen, pädagogischen und auch psychologischen Gesichtspunkten zu betrachten und in dieser umfassenden Sicht mit anderen Regionen zu vergleichen.