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Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie verleiht erstmals Lehrpreis der Fakultät für innovative Lehrkonzepte

Lehrpreis für Frau Wagner und Frau Dr. Zarski
Dr. Anna-Carlotta Zarski und Helen Wagner erhalten den Lehrpreis der Fakultät für innovative Lehrkonzepte (Foto: Kiona K. Weisel/privat)

Um ein Zeichen für die große Bedeutung der Lehre zu setzen, hat die Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie im Jahr 2020 erstmals einen Lehrpreis der Fakultät ausgeschrieben. Mit dem neuen Lehrpreis sollen von jetzt an jedes Jahr zwei innovative Lehrkonzepte ausgezeichnet werden. Der fakultätseigene Lehrpreis ergänzt den ‚Preis für gute Lehre‘, der vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst ausgelobt wird, und den ‚FAU-Lehrpreis für Nachwuchswissenschaftler/innen‘.

„Wir freuen uns sehr, den Preis in seinem Premierenjahr an Frau Helen Wagner, Promovendin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte, und Frau Dr. Anna-Carlotta Zarski, Habilitandin und Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie, verleihen zu dürfen“, sagt Studiendekanin Prof. Dr. Eva Breindl. „Von insgesamt 24 gelungenen Vorschlägen haben diese beiden am meisten überzeugt“, erklärt sie weiter. Herzlichen Glückwunsch an die beiden Preisträgerinnen!

Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld dotiert: 500 Euro für Professoren bzw. Professorinnen, 1.000 Euro für PostDocs sowie Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen mit voller Stelle sowie 2.000 Euro für wissenschaftliche Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen mit einer Teilzeitbeschäftigung. Über die Vergabe des Preises entscheiden die Studiendekane der Fakultät. Verliehen wird der Lehrpreis der Fakultät in einem feierlichen Rahmen der erweiterten PhilLuSt – pandemiebedingt wurde die Verleihung des Lehrpreises 2020 aufgezeichnet und in der virtuellen Sitzung der erweiterten PhilLuSt via Zoom ausgestrahlt.

Lehrende können sich mit einem Lehrveranstaltungskonzept aus den vergangenen zwei Semestern, den Evaluationsergebnissen sowie einer Reflexion zu diesen bewerben. Für den Lehrpreis der Fakultät 2021 ist die Bewerbung noch bis zum 31. März 2021 per E-Mail an qm-phil@fau.de möglich. Bei Fragen zum Lehrpreis können Sie sich an das Büro für Qualitätsmanagement wenden.

Hier eine kurze Vorstellung der beiden ausgezeichneten Lehrveranstaltungen:

Seminar „Praxisorientiertes Lehrvorhaben zur Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Erlangen“ bei Helen Wagner

Gewinnerin des Lehrpreis für innovative Lehrkonzepte der Fakultät Helen Wagner

Helen Wagner (Foto: privat)

Dieses Seminarkonzept hat mit der anspruchsvollen und in jeder Hinsicht gelungenen Verbindung von einer intensiv geführten öffentlichen Debatte um die baulichen Überreste der ‚Hupfla‘, über eine interdisziplinare wissenschaftliche Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der Geschichte sowie der Gestaltung eines bleibenden Beitrags zur Erinnerungskultur überzeugt. Im Rahmen des Projektseminars haben die Studierenden einen Audiowalk zur Geschichte der ‚Hupfla‘ konzipiert und mit Unterstützung des Instituts für Theater- und Medienwissenschaft umgesetzt. Als weiterer Schritt entsteht aktuell ein Podcast zum Umgang mit der Geschichte der NS-Medizinverbrechen in der Stadtöffentlichkeit nach 1945.

Gerade die mehrfache Interdisziplinarität macht das Konzept so attraktiv: Außer mit dem Institut für Theater- und Medienwissenschaft gab es eine enge Kooperation mit dem Institut für Geschichte und Ethik der Medizin (Frau Dr. Susanne Ude-Koeller), mit dem zusammen das Seminar als interdisziplinäre Lehrveranstaltung der Philosophischen und Medizinischen Fakultät angeboten werden konnte. Beides, die Interdisziplinarität wie die enge Verzahnung von quellennaher historischer Aufarbeitung und Vermittlung von Geschichte im neuen Medienformat wurde in der Evaluation besonders positiv bewertet. Die Studierenden konnten so erfahren, dass ihre Arbeit auf Echo und Wertschätzung stößt. Dazu nur eine Stimme eines Teilnehmers: „mit Abstand mein Lieblingsseminar“ in diesem Semester.

 

Seminar zu „Sexuelle Funktionsstörungen bei Frauen“ bei Dr. Anna Carlotta Zarski

Anna-Carlotta Zarski, Gewinnerin des Lehrrpreis für innovative Lehrkonzepte der Fakultät

Dr. Anna-Carlotta Zarski (Foto: Kiona K. Weisel)

Das Seminar ist ein gelungenes Beispiel für die Umsetzung einer forschungs- und gleichzeitig praxisnahen Lehre. Die Dozentin kann ihren Forschungsschwerpunkt ‚weibliche sexuelle Funktionsstörungen und deren internet- und mobilbasierteBehandlung‘ sowie ihre Erfahrung aus der eigenen psychotherapeutische Tätigkeit, in der sie Frauen mit sexueller Funktionsstörung behandelt, zum Nutzen der Studierenden einbringen.

Ziel war es, Studierende der Psychologie für die wenig erforschten, aber häufig auftretenden Störungsbilder sexueller Funktionsstörungen bei Frauen zu sensibilisieren und psychologisch-psychotherapeutische Wissens- und Handlungskompetenzen im Umgang mit schambesetzten Erkrankungen zu vermitteln, um dies in der Arbeit mit Patientinnen praktisch anwenden zu können. Dieses anspruchsvolle Ziel wurde mit einem facettenreichen Mix aus Lehr- und Lernformen verfolgt, wie etwa theoretischer Input, Diskussionsrunden, Kleingruppendiskussionen, Gruppenarbeit, Bearbeitung von Fragebögen, Analyse von populärwissenschaftlichen Videos, Besprechung von Studiendaten, Rollenspiel, Achtsamkeitsübungen zur körperlichen Selbsterfahrung, gemeinsame Erarbeitung der einzelnen therapeutischen Schritte und Indikationen im Plenum und vieles mehr.

Insbesondere die Prüfungsform fiel als innovativ auf: Statt Referaten, die von den Studierenden oft als mäßig aktivierend empfunden werden, sollten die Studierenden in Kleingruppen von vier Personen ein umfangreiches Behandlungshandbuch zu einer selbstgewählten weiblichen sexuellen Funktionsstörung konzipieren, mit Psychoedukation, Sexualaufklärung sowie therapeutischen Informationen und Übungen für Patientinnen und Therapeutinnen und Therapeuten.

Diese Lehr- und Prüfungsform, die Möglichkeit, das Seminars selbst aktiv mitzugestalten, wurde von den Teilnehmenden als sehr anspruchsvoll, aber als ausgesprochen bereichernd und aktivierend wahrgenommen.