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Vier Forschungsprojekte zu Corona erhalten Förderung der VolkswagenStiftung

Corona und Gesellschaft - drei Forschungsprojekte erhalten Förderung der VolkswagenStiftung
VolkswagenStiftung fördert vier Projekte zu Corona (Foto: Congerdesign/Pixabay)

Um den vielen, neuen Fragen, die die Covid-19-Pandemie aufwirft, nachzugehen, hat die VolkswagenStiftung im Mai das Förderangebot „Corona Crisis and Beyond“ ausgeschrieben. Von insgesamt 1.105 Anträgen wurden 102 bewilligt – darunter gleich drei Projekte des Departments Sozialwissenschaften und Philosophie sowie ein gemeinsames Projekt des Lehrstuhls für Computer- und Korpuslinguistik und des Lehrstuhls für Japanologie mit dem Schwerpunkt Japan der Moderne und Gegenwart. Ein großer Erfolg für die Fakultät!

Die Projekte werden von der VokswagenStiftung jeweils für 18 Monate mit rund 120.000 Euro gefördert. Insgesamt stellt die Stiftung einen Gesamtbetrag von 11,7 Millionen Euro zur Verfügung, um die gesellschaftlichen Herausforderungen der Corona-Krise zu untersuchen.

 

Hier werden die Projekte vorgestellt:

„The Public (Re-)Negotiation of Intergenerational Solidarity and Responsibility in the Corona-Pandemic“ (Dr. Larissa Pfaller)

Am Institut für Soziologie forscht die Projektkoordinatorin Dr. Larissa Pfaller mit einem Team am Thema intergenerationeller Verantwortung und Solidarität während der Corona-Krise. Das Projekt unter dem Titel „The Public (Re-)Negotiation of Intergenerational Solidarity and Responsibility in the Corona-Pandemic“ ist eine Kooperation zwischen der FAU und der Universität Oldenburg, dort ist Prof. Dr. Mark Schweda, Ethik in der Medizin, führender Forscher.

Solidarität und Verantwortung zwischen den Generationen sind während der Corona-Pandemie zu zentralen aber auch umstrittenen Schlagworten in der öffentlichen Debatte geworden. Das Forschungsteam aus Erlangen und Oldenburg untersucht, wie Solidaritätsstrukturen zwischen Jung und Alt im medialen und politischen Diskurs verhandelt werden und wie auf Verantwortungskonzepte Bezug genommen wird. Hierzu nimmt das Projekt öffentliche Medien sowie Debatten und Reden von Politikerinnen und Politikern empirisch in den Blick und fragt, welche Akteure sich wie auf Verantwortung und Solidarität beziehen und wie diese Verwendungsweisen ethisch zu bewerten sind.

 

Spring in Mitterteich (Dr. Marie-Kristin Döbler und Annerose Böhrer)

Wie gehen Menschen mit Unsicherheit um, auf welche Weise äußern sie Kritik? Mit diesen Themen befassen sich Dr. Marie-Kristin Döbler und Annerose Böhrer vom Institut der Soziologie. Sie analysieren für den Zeitraum März bis April 2020 qualitativ den Umgang der Bevölkerung von Mitterteich mit Ungewissheit und Unsicherheit sowie deren Zweifel und Kritik an politischen Maßnahmen.

Die Studie „Spring in Mitterteich – A qualitative analysis of critical positions, epistemic struggles and discursive dynamics” untersucht den Ort Mitterteich in der Oberpfalz. Dort wurde zur Eingrenzung der Corona-Fallzahlen bereits im März bzw. April die erste Ausgangssperre Deutschlands verhängt. Die Forscherinnen untersuchen kritische Äußerungen und Zweifel der Einwohner an den politischen Maßnahmen und die darauffolgenden Reaktionen der Mitbürger und Medien. Zur Analyse verwenden sie unter anderem Inhalte von Social-Media-Plattformen, Berichte in Lokalzeitungen und persönliche Interviews. Mitterteich war zu Beginn der Pandemie im Fokus der nationalen und internationalen Presse. Wie diese über Mitterteich berichtete, ist ebenfalls Teil der Untersuchung.

 

Autokratien und COVID19 (Prof. Dr. Thomas Demmelhuber)

Prof. Dr. Thomas Demmelhuber, Leiter des Lehrstuhls für Politik und Gesellschaft des Nahen Ostens, untersucht, ob die Pandemie eine Zusammenarbeit autokratischer Staaten beschleunigt. Über die neue Seidenstraße findet zwischen China und den arabischen Golfmonarchien ein ständiger Austausch statt. Prof. Demmelhuber untersucht zusammen mit seinen Projektpartnern in Freiburg und Bonn, inwiefern dieser Korridor auch genutzt wird, um Autokratien als leistungsfähigeres Regierungsmodell während der Corona-Pandemie zu bewerben. China hat die Pandemie mit umfassender Repression und Überwachungstechnologien wie Tracing Apps und künstlicher Intelligenz bekämpft. Diese Methoden werden nun als „Best-Practice-Modelle“ zur Pandemiebekämpfung von anderen Autokratien nachgeahmt. Die Überwachungstechnologien und das chinesische Vorbild dienen einer effektiveren Überwachung der Bevölkerung festigen die autokratische Herrschaft der arabischen Golfmonarchien.

Das Projekt „Global autocratic collaboration in times of COVID19: game changer or business as usual in Sino-Gulf relations?“ wird in Kooperation mit der Universität Freiburg und dem Center for Applied Research in Partnership with the Orient in Bonn (CARPO) durchgeführt.

Tracking the infodemic: Conspiracy theories in the corona crisis (Prof. Dr. Stefan Evert, Lehrstuhl für Korpus- und Computerlinguistik und Prof. Dr. Fabian Schäfer, Lehrstuhl für Japanologie mit dem Schwerpunkt Japan der Moderne und Gegenwart)

Welche Kreise ziehen Verschwörungstheorien? Dieser Frage gehen Prof. Dr. Stefan Evert (Lehrstuhl für Korpus- und Computerlinguistik) und Prof. Dr. Fabian Schäfer (Lehrstuhl für Japanologie) nach, indem sie mit Methoden der Korpuslinguistik den Gebrauch und die Verbreitung von Verschwörungstheorien anhand typischer Sprachmuster analysieren. Außerdem untersuchen sie die diskursiven Strategien, die Verschwörungstheorien mit rechtspopulistischen und extremistischen Diskursen gemeinsam haben. Ziel des Projekts ist es nicht nur, wichtige Einsichten in den Diskurs zur Corona-Pandemie zu gewinnen, sondern auch, die verwendeten Methoden weitgehend zu automatisieren, sodass sie auch eingesetzt werden können, um die Verbreitung anderer Verschwörungstheorien und Fehlinformationen zu untersuchen, etwa indem bestimmte Argumentationsmuster automatisch identifiziert werden.