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The Global Sentimentality Project

Forschungsprogramm:

Das Global Sentimentality Project beschäftigt sich mit Formen und Funktionen des Sentimentalen im globalen Kontext. Unser Projekt untersucht Filme, literarische Texte und andere Medien und Formate im Hinblick auf kultur- und medienspezifische Muster des Sentimentalen, sein ästhetisches Programm, die kulturelle Arbeit sentimentaler Strategien sowie deren Wirksamkeit in politischen Zusammenhängen. In Literatur, Kultur und Politik fungiert das Sentimentale häufig als eine Form des narrativen Krisen- und Kontingenzmanagements sowie als Technik der politischen Mobilisierung, etwa in sozialen Bewegungen oder populistischer Rhetorik. Dabei ist das Sentimentale auf die Schaffung sozialer und parasozialer Beziehungen ausgerichtet: Es generiert Zusammengehörigkeitsgefühle und die Bereitschaft zur Empathie. Gleichzeitig werden über das Sentimentale auch normative Ordnungsentwürfe generiert und plausibilisiert, die disziplinierend wirksam werden können. In beiden Ausprägungen produziert das Sentimentale eine ihm eigene Form (zumindest temporärer) sozialer, politischer und kultureller Sicherheit und trägt damit zur Wiederherstellung ontologischer Gewissheit vor dem Hintergrund von Krisenerfahrungen bei. Inwiefern das Sentimentale über verschiedene diskursive Formationen, Epochen und gesellschaftliche Funktionsbereiche hinweg auch transkulturelle Muster und Codes aufweist, ist eine weitere zentrale Forschungsfrage des Projekts.

Die Konturierung des Sentimentalen durch das Global Sentimentality Project wendet sich gegen die Stigmatisierung des Begriffs in seiner Alltagssemantik und grenzt sich auch vom Sentimentalen im engeren Sinne, als Begriff für eine bestimmte literarische Bewegung, ab. Das Global Sentimentality Project verwendet das Sentimentale als Leitbegriff, der sich auf die aktuelle Forschung im Kontext des sogenannten „Affective Turn“ in den Geistes- und Sozialwissenschaften stützt. Die Forschungsansätze des Global Sentimentality Project gehen jedoch über die bereits bestehende Forschung hinaus, indem sie mediensensible, ideologiekritische und kulturhermeneutische Perspektiven stärken, die in einem globalen Forschungszusammenhang bisher wenig berücksichtigt wurden.

 

Weitere Informationen: https://www.sentimental.phil.fau.de/