B.A. Indogermanistik und Indoiranistik

Kompetenzprofil

Neben den fachspezifischen Kenntnissen und Kompetenzen, die die Studierenden der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie durch das Fachstudium erwerben, eignen sie sich auch fächerübergreifende Fähigkeiten an, die generell durch das Studium eines geistes-, kultur- oder sozialwissenschaftlichen Faches vermittelt werden. Durch den Erwerb von weiteren speziellen Schlüsselqualifikationen sind die Studierenden noch besser für eine anspruchsvolle Berufstätigkeit vorbereitet. Zusätzlich zum Fach Indogermanistik und Indoiranistik wird noch ein weiteres Fach studiert.

Bei erfolgreichem Studienabschluss wird zusätzlich zu Urkunde und Zeugnis das Diploma Supplement ausgehändigt. Darin ist neben der Beschreibung des Abschlusses folgende Darstellung der Kompetenzen und Berufsmöglichkeiten enthalten.

Der Absolvent/die Absolventin verfügt über Kenntnisse verschiedener indogermanischer Sprachen und ihrer geschichtlichen Entwicklung. Diese Sprachen entstammen verschiedenen Kulturräumen Europas und des Orients. Da sie miteinander genetisch verwandt sind und von der gemeinsamen indogermanischen Grundsprache abstammen, lässt sich an ihnen exemplarisch die Methode der Sprachvergleichung und Rekonstruktion entwickeln, die der Absolvent/die Absolventin ebenfalls erlernt hat. Dadurch ist er/sie in der Lage, die Entstehung und Entwicklung von Sprachen allgemein zu beurteilen. Er/sie verfügt zudem über eine hohe mündliche wie schriftliche Sprachkompetenz. Durch den ständigen Wechsel zwischen Texten aus vier verschiedenen Jahrtausenden mit ihren sprachlichen Formen und geistigen Inhalten gewinnt er/sie einen Grad an geistiger Flexibilität, der ihn/sie dazu befähigt, sich rasch auf neue Aufgabenfelder einzustellen, darunter auch auf neue Sprachen und Kulturen oder neue Theorien.

Der Studiengang qualifiziert für Tätigkeiten in folgenden Berufsfeldern: Verlags- und Bibliothekswesen, Öffentlichkeitsarbeit, Kulturmanagement, Studienreisen, Internationale Institutionen, Informationsverarbeitung, Erwachsenenbildung einschließlich Migrantenbildung oder Journalismus. Er verschafft auch die Möglichkeit, sich bei beruflicher Versetzung in asiatische Länder wie China, Japan oder Indien schneller an die betreffende Landeskultur zu gewöhnen.

Ein Bachelorstudium an der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie fordert und fördert neben den fachspezifischen Kompetenzen auch eine Vielzahl grundlegender, arbeitsmarktrelevanter Fähigkeiten.

Bachelorabsolventinnen und -absolventen der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie arbeiten

  • konzeptionell: Erstellung und Präsentation von Konzepten; konzeptionelle Herangehensweise an Aufgaben; Planung und Darstellung von Maßnahmen zur Erreichung eines bestimmten Ziels
  • im Team: teamorientierte Projektarbeit, Planung schriftlicher Arbeiten in der Gruppe mit Definition von Teilaufgaben, Zuordnung der Teilaufgaben an einzelne Gruppenmitglieder, gemeinsame Koordination des Ergebnisses und Qualitätskontrolle
  • strukturiert und zielorientiert: Projektmanagement: Eigenständiges und zielorientiertes Erarbeiten  wissenschaftlicher Fragestellungen mit mündlicher und schriftlicher Erfassung der Ergebnisse, strukturiertes Analysieren komplexer Sachverhalte für Hausarbeiten, Projektarbeiten, Referate
  • wissenschaftlich: wissenschaftlich-kritischer Umgang mit Quellen und Forschungsliteratur: Auswahl der wichtigsten Informationen, logisches Schlussfolgern, kritisches Hinterfragen; systematisches, auch fächerübergreifendes wissenschaftliches Arbeiten; Recherche, Darstellung und Bewertung des Forschungsstandes; Wahl einer angemessenen Forschungsmethode; fachterminologisch korrekte und sprachlich differenzierte Darstellung der Ergebnisse in mündlicher und schriftlicher Form
  • effizienzorientiert: wirkungs- und ergebnisorientierte Arbeitsweise
  • kreativ: Bereitschaft zum Mitdenken und Förderung des Kreativpotenzials durch selbständige Bearbeitung studienrelevanter Aufgaben

Und sie besitzen

  • Argumentationsfähigkeit: Vertreten der eigenen Position durch Argumentation und Interaktion mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Positionen im wissenschaftlichen Diskurs; Meinungsfähigkeit und Ausbildung eines kritischen Reflexionsvermögens
  • Lernfähigkeit: Lernbereitschaft, eigenständige und selbständige Wissensaneignung
  • Eigeninitiative: Selbstmotivation, Durchhaltevermögen, selbstständige Arbeitsweise und Selbstorganisation
  • Interkulturelle Kompetenz: Beschäftigung mit fremdsprachigen Texten, Möglichkeit zum Studium im Ausland und Interaktion mit ausländischen Mitstudierenden
  • Kommunikations- und Sprachkompetenz: kommunikatives Geschick durch schriftliche und mündliche Ausdrucksfähigkeit; mündliches und schriftliches Präsentieren von selbst erarbeiteten Ergebnissen unter Verwendung geeigneter Präsentationsmedien

Die Absolventinnen und Absolventen des B.A. Indogermanistik und Indoiranistik verfügen über Fach- und Methodenkompetenzen…

…im Bereich Sprachkompetenz und linguistische Textanalyse

  • Sanskrit (Altindisch): Basale Grammatikkenntnisse, Erlernen der Schrift, Übung im Lesen und Übersetzen
  • Altpersisch bzw. Avestisch (Altiranisch): Basale Grammatikkenntnisse, Erfassen des Aufbaus der Schrift, Übung im Lesen und Übersetzen
  • Altgermanisch, z.B. Gotisch oder Althochdeutsch: Basale Grammatikkenntnisse, Erfassen des Aufbaus der Schrift, Übung im Lesen und Übersetzen
  • Weitere Sprachen wie z.B. Griechisch oder Hethitisch: Basale Grammatikkenntnisse, ggf. Erlernen der Schrift, Übung im Lesen und Übersetzen
  • Fähigkeit, Deutsch sehr gut zu analysieren und zu gebrauchen.
  • Interpretation von Texten des alten Indiens und Irans mit ihrer jeweils besonderen Phraseologie, Stilistik, Kulturtradition und religiösen Vorstellungswelt.

…im Bereich geschichtliche Entwicklung der Sprache

  • Kenntnis der historischen Lautlehre in verschiedenen altindogermanischen Sprachen
  • Kenntnis der morphologischen Entwicklung (Aufbau der Wörter und Formen)
  • Kenntnis der Etymologie (Herkunft der Wörter und ursprüngliche Bedeutung)
  • Kenntnis der historischen Syntax (Satzbau)

…im Bereich Sprachanalyse und -vergleich:

  • Vergleich von Lauten („Buchstaben“), Worten, Sätzen. Vgl. z.B. zum Laut- und Wortvergleich deutsch zwei und zehn (mit anlautendem z-) gegenüber englisch two und ten (mit anlautendem t-).
  • Identifizierung genetisch verwandter Wörter und Sätze und Rekonstruktion der indogermanischen Proto-Sprache; vgl. z.B. lateinisch dent- ‚Zahn‘ (Dentist), altindisch dánt- und bairisch zand; oder lateinisch hortus ‚Garten‘, französisch jardin und deutsch Garten.
  • Methodische Fähigkeit, jede Sprache der Welt zu analysieren und dadurch die bedeutungstragenden Elemente zu erkennen; vgl. z.B. hebräisch el ‚Gott‘ (wie in Israel) und akkadisch ilu. Tschetschenisch wo’ ‚Sohn‘, Plural wo’-ariy und yo’ ‚Tochter‘, Plural mexk-ariy, jeweils mit abtrennbarer Pluralendung -ariy.

Darüber hinaus verfügen sie über wichtige fächerübergreifende Methodenkompetenzen (siehe oben „Fächerübergreifende Kompetenzen“)

Über die fächerübergreifenden Kompetenzen (siehe oben) hinaus verfügen die Absolventinnen und Absolventen des B.A. Indogermanistik und Indoiranistik über Selbst- und Sozialkompetenzen…

…im Bereich geistige Flexibilität

  • Häufiger Wechsel zwischen Texten aus vier verschiedenen Jahrtausenden mit ihren verschiedenen sprachlichen Formen und geistigen Inhalten

…im Bereich interkulturelle Kompetenz

  • Intensive Analyse von Sprachen aus verschiedenen Kulturräumen Europas und des Orients

Folgende Kompetenzen können die Studierenden zusätzlich erwerben:

…im Bereich Sprachkenntnis und -kompetenz:

  • Dechiffrieren (Entziffern) beim Erwerb der Keilschriftsprache Hethitisch (Besonderheit: Überlieferung weitgehend nur in Fragmenten).

A) Tätigkeiten im fachnäheren Bereich der Indogermanistik und Indoiranistik

Der Bachelorstudiengang „Indogermanistik und Indoiranistik“ befähigt seine Absolventinnen und Absolventen in erster Linie zum anschließenden Masterstudium im sprachhistorischen Bereich, nach welchem wiederum die Promotion möglich ist, gefolgt von einer qualifizierten wissenschaftlichen Tätigkeit in Forschung und/oder Lehre.

B) Tätigkeiten für Absolventinnen und Absolventen verschiedener geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlicher Studiengänge

Für folgende Tätigkeiten ist ein abgeschlossenes geistes-, kultur- oder sozialwissenschaftliches Studium eine gute Voraussetzung. Häufig sind zusätzliche spezielle Kompetenzen und berufliche Erfahrungen erforderlich, die u.a. durch Praktika, Mitarbeit in Projekten, Volontariat, Nebenjobs oder ehrenamtliches Engagement erworben werden können.

Redaktion, Moderation (Journalismus, Medien, Selbständigkeit)

  • Themen- und Objektrecherche, Aufbereitung der Rechercheergebnisse
  • Durchführung und Aufbereitung von Interviews
  • Erstellen von Artikeln, Online-Inhalten, Fachpublikationen, pädagogischen Beiträgen, Multimedia-Beiträgen unter mediengerechter Formulierung
  • Erstellung und Moderation von Hör- und Filmbeiträgen

Lektorat, Programmentwicklung (Verlagswesen, Selbständigkeit)

  • Überarbeitung und Betreuung von Manuskripten
  • Projektmanagement
  • Kontaktpflege zu Autorinnen und Autoren
  • Programmentwicklung und -erstellung
  • Organisation von Lesungen

Netzwerkarbeit, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Unternehmen, öffentliche Einrichtungen, Museen, NGOs, Kommunikationsagenturen, Selbständigkeit)

  • Erstellen von Präsentationen und Informationsmaterial
  • Entwicklung von PR-Konzepten
  • Verfassen von Pressemitteilungen und Presse-Informationsmappen
  • Kontaktpflege zu Journalistinnen und Journalisten

Dozententätigkeit, Sprach-, Fremdsprachunterricht, Sprachvermittlung (z.B. Volkshochschulen, freie Bildungsträger, Unternehmen, Agenturen, Selbständigkeit)

  • Vermittlung von Sprachkompetenzen in Form von Vorlesungen, Kursen und Übungen an Erwachsene
  • Zielgruppengerechte Aufbereitung fachspezifischer Inhalte
  • Vor- und Nachbereitung von Veranstaltungen
  • Abnahme von Prüfungen
  • Übersetzung(smanagement)
  • Entwicklung von Lernmaterialien

Kulturwirtschaft, Eventmanagement, Tourismus (z.B. öffentliche Einrichtungen, private Stiftungen, Museen, Verbände, private Kulturorganisationen und Tourismusunternehmen)

  • Projektmanagement: Planung, Koordination und Durchführung von Projekten, z.B. Veranstaltungen, Reisen
  • Programmerstellung
  • Veranstaltungsorganisation
  • Qualifizierte Reiseleitung
  • Erstellen von Einladungen, Flyern oder Broschüren
  • Pflege von Adressdatenbanken, Erstellen von Verteilern
  • Künstlerbetreuung
  • Fundraising: Akquise von Spendern, Spendermailing, Spenderbetreuung

Marketing, Vertrieb, Kundenbetreuung (z.B. Marketing-Abteilung in Unternehmen, Werbeagenturen)

  • Umsetzung von Marketingkonzeptionen in Zusammenarbeit mit Marketingdienstleistern (Grafikbüros, Werbeagenturen, etc.)
  • Analyse von Kundenwünschen
  • Entwicklung von Vertriebsstrategien

Beratende Berufe: Berufs-, Bildungs- und Studienberatung (z.B. Bildungseinrichtungen, Hochschulen, Agentur für Arbeit, private Anbieter, Verbände, Stiftungen, Selbständigkeit)

  • Führen von Beratungsgesprächen zur Studien- und Berufswahl oder zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Organisation und Durchführung von Informationsveranstaltungen
  • Halten von Vorträgen, Leitung von Workshops und Seminaren
  • Erstellen von Informationsangeboten (z.B. gedruckte Informationsbroschüren, Internetseiten)
  • Öffentlichkeitsarbeit

Selbständige Tätigkeit, z.B. in den Bereichen

  • Journalismus
  • Lektorat
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
  • Dozententätigkeit
  • Beratung
  • Kulturbereich
  • Eventmanagement
  • Literaturagentur
  • Tourismus

Arbeiten bei Internationalen Organisationen (z.B. Auswärtiges Amt, Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit – GIZ, Auslandshandelskammern – AHK)

Öffentlichkeits- und Pressearbeit

  • Projektmanagement
  • Netzwerktätigkeiten
  • Veranstaltungsmanagement

Weiterbildung, Erwachsenenbildung (z.B. Volkshochschulen, Bildungsträger, Selbständigkeit)

  • Entwicklung von Bildungskonzepten und Weiterbildungsprogrammen
  • Veranstaltungsmarketing
  • Beratung zum Weiterbildungsangebot
  • Akquise und Betreuung von Referentinnen und Referenten

Personalrecruiting, Personalwesen, Unternehmensberatung (z.B. Unternehmen, Personalberatung, Zeitarbeit)

  • Vorauswahl der Bewerbungen
  • Organisation und Führen von Bewerbungsgesprächen
  • Organisation und Entwicklung von Trainingskonzepten und Personalentwicklungsmaßnahmen
  • Erstellung und Entwicklung von Jobprofilen und Stellenausschreibungen
  • Organisation von Bewerbermessen und Assessment Centern

Hinweise:

Das individuelle Profil jeder Absolventin und jedes Absolventen umfasst mehr als das Fachstudium. Es setzt sich aus vielfältigen Erfahrungen und Fähigkeiten fachlicher und überfachlicher Art zusammen.

Die Auflistung der Berufsmöglichkeiten kann nicht vollständig sein: Eine abschließende Auflistung von möglichen beruflichen Tätigkeiten und Einsatzbereichen ist weder sinnvoll noch möglich: Die Komplexität unserer gegenwärtigen Gesellschaft und die hohe Spezialisierung ihrer Akteure erfordern individuelle Bildungs- und Berufswege. Die genannten möglichen beruflichen Einsatzbereiche können daher nur als Beispiele dienen.